Schulpartnerschaft überwindet Grenzen!

Flutwelle am Bhote Koshi behindert unser Wiederaufbauprojekt

Das Tal des Bhote Koshis wurde in der Vergangenheit mehrmals von tödlichen Flutwellen heimgesucht. In der Nacht zum Mittwoch (06. Juli 2016) schlug die Natur wieder zu. Ein massiver Wolkenbruch sorgte nördlich der Grenze zu Tibet für einen Erdrutsch.Das Wasser des Flusses wurde durch den entstandenen natürlichen Damm angestaut. Letztendlich führte der Druck der Wassermassen zum Bruch des Dammes und löste die Flutwelle aus.

 

Polizeiinspektor Khum Lal Bhusal, Grenzpolizeiwache Tatopani, schilderte die Situation wie folgt: „Kurze Zeit nach dem Hinweis zum Erdrutsch erhielt ich einen weiteren Anruf, „Der angestaute Bhote Koshi ist durchgebrochen. Bringt euch in Sicherheit.““

Khum Lal Bhusal weiter: „Es hätte viele Verluste gegeben, wäre diese Nachricht nicht rechtzeitig zu uns gelangt. Wir kontaktierten sofort die lokale Bevölkerung per Handy. Wir forderten sie auf, sich an sichere Orte zu begeben. Die Nachricht verbreitete sich schnell und die Einheimischen zogen an höher gelegene Plätze. Die Einheimischen gingen mit uns in den Wald und blieben dort die ganze Nacht. Alle hatten Angst, aber ihre Leben waren gerettet. Der Bhote Koshi Fluss schwoll rasch an. Ich habe noch nie in meinem Leben eine so große Flut gesehen. Es war beängstigend.“

Alle Häuser in Liping Bazaar im nepalesischen Grenzgebiet wurden mit dem Fluss fortgerissen. Der gesamte Marktplatz wurde fortgeschwemmt. Viele Häuser nahe am Highway bei Tatopani sind einem großen Risiko ausgesetzt. Der Highway ist an vielen Stellen zerstört. Brücken im Tatopanigebiet wurden von der Flutwelle mitgerissen. Der Transport ist schwer betroffen. Das Upper Bhote Koshi Hydropower Project hat große Verluste erlitten. Kraftwerk und Damm sind zerstört. Es scheint Billionen Rupien gingen den Bach hinunter.

Unser Partnerdorf Gati liegt ca. 500m oberhalb des Bhote Koshis und die betroffenen Dörfer nicht einmal 20 km entfernt. Der Araniko-Highway ist bis ca. 4 km vor Borderlands (liegt unterhalb von Gati im Tal) noch befahrbar. Danach geht nichts mehr.

 

Der Araniko-Highway ist die Lebensader der Region. Alle Waren des täglichen Bedarfs werden über diese Straße transportiert. Dies gilt auch für den Handel mit China (Tibet). Die Menschen aus Gati VDC müssen nun zu Fuß alle benötigten Waren aus dem bis zu 8 km entfernten Barabise transportieren. Wir müssen auch davon ausgehen, dass die Dörfer von Gati VDC in den nächsten Monaten nicht mit elektrischer Energie versorgt werden können.

 

Dramatisch sind auch die Auswirkungen für unser Wiederaufbauprojekt. In der letzten Woche kamen die ersten Baumaterialien in Gati an. Wir waren voller Hoffnung, dass wir mit dem Wiederaufbau zeitnah beginnen könnten. Die Situation stellt sich seit dem 8. Juli komplett anders dar. Die Dörfer der Region sind von der Außenwelt abgeschnitten. Die Materiallieferungen für den Wiederaufbau der Schulen müssen bis auf unbestimmte Zeit gestoppt werden.

 

Wie es weiter geht? Eine belastbare Antwort ist noch nicht möglich. Wir gehen davon aus, dass an den Abbruchstellen des Highways temporäre Umfahrungen in die Berghänge gebrochen werden. Der Bau eines komplett neuen Straßenabschnittes ist auf Grund der topografischen Situation auszuschließen.  Zu einem möglichen Zeitfenster kann aktuell keine Aussage getroffen werden.

Autor:

Nima Tshering Lama

Projektkoordinator in Nepal